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Aktuelle Version vom 23. März 2006, 13:37 Uhr

Stellungnahme der Freitagsrunde zum Thema "NC/Auswahlverfahren und Studienzeitbegrenzung" und der derzeit geführten Diskussion an der Fakultät

Es besteht kein Zweifel daran, dass das Studium einen Menschen ein Leben lang prägt, d.h. es entscheidet bei den meisten, in welchem Bereich sie später arbeiten werden und wie ihre Arbeitsmarktchancen in etwa aussehen. Auch die Allgemeinbildung und das selbstständige Organisieren des Lernprozesses und der eigenen Arbeit sind hohe Güter, die an anderen Stellen unserer Gesellschaft zwar nachgefragt, aber nur selten vermittelt werden.

Daher ist der freie Zugang zu Wissen bzw. einem Studienplatz ein sehr hohes Gut, das auf keinen Fall künstlich verknappt werden darf. Demokratie funktioniert nur mit mündigen und kritischen Bürgern, nicht mit einer kleinen Elite. Dieser Randbedingungen muss man sich immer bewusst sein, wenn man über Zulassungsbeschränkungen spricht.

Folglich darf sich eine Zulassungsbeschränkung ausschließlich über die Sicherstellung der Qualität der Lehre definieren. Bei 200 ausfinanzierten Studienplätzen für Informatiker an der TU Berlin und 300 Anfängern gibt es eine 50%ige Überlast, was schon eine beachtliche Zahl ist und die Betreuungssituation merklich verschlechtert.

Klar ist auch, dass im Allgemeinen niemand für den Ausschluss von Studierenden ist und nur eine Minderheit fördern will. Doch wenn es zu konkreten Punkten kommt, scheiden sich die Vorstellungen. Unter der Randbedingung, dass die Ressourcen und die Geldmittel begrenzt sind, muss man sich über Zugangsbeschränkungen Gedanken machen. Sicher ist man sich schnell einig, dass die Bildungseinrichtungen zu wenig Geld bekommen, dass es zu viel Bürokratie und Verwaltung gibt und dass viele Vorschriften sinnlos sind.

Jedoch können Beschlüsse, die die im folgenden aufgezählten Mängel verringern würden, nicht alleine durch die Fakultät gefällt werden und wir halten es für äußerst unrealistisch, dass Aktionen auf Fakultätsebene auf den übergeordneten Ebenen bemerkt werden bzw. es bis dahin durch das entsprechende Verhalten zu irreparablen Schäden gekommen ist, die in ihrer Schwere für uns nicht akzeptabel sind.

Wenn also die Zahl der Studierenden die Kapazitäten in einem nicht mehr verkraftbaren Maß überschreitet und daher die Studierendenzahlen beschränkt werden, muss eine möglichst gerechte Möglichkeit der Beschränkung gefunden werden, die auch "Problemfällen" gerecht wird.


NC und Auswahlverfahren

NC

Grundsätzlich halten wir einen NC (Auswahl nur anhand der Abitur-Note) für schlecht, denn es gibt mehrere Mängel bei diesem Verfahren:

Zum einen gibt es große Unterschiede zwischen den Schulen und die "allgemeine Hochschulzugangsberechtigung" mit der selben Endnote garantiert keineswegs immer den gleichen Leistungsstand. Besonders extrem ist es in Ländern ohne Zentralabitur, wo jede Schule einen eigenen Leistungsstand hat. Zum Teil werden Abiturnoten auch nur und ausschließlich auf Grund der Noten in der Abiturprüfung selbst vergeben (kein Einfluss der Grundkurse in der Oberstufe auf die Endnote), so dass alles von der Tagesform an den Tagen der vier Abiturprüfungen abhängt. Weiterhin hat eine gute Schulnote nur begrenzte Aussagekraft in Bezug auf den Studienerfolg, denn im Studium werden völlig andere Anforderungen an die Studierenden gestellt als in der Schule (z.B. selbstständiges Lernen, Selbstdisziplin, kein Anwesenheitszwang, Gruppenarbeit etc.). Daher ist es ungerecht, den Zugang zum Studium über eine Schulnote zu gewähren.

alternative Auswahlverfahren

Ein häufig verwendetes Argument gegen jegliche Zulassungsbeschränkungen ist, dass die "ungeeigneten" Studierenden die Prüfungen nicht bestehen werden und somit das Studium nicht fortführen. Somit sinkt die Zahl der Studierenden nach wenigen Semestern, und die Anzahl der Studierenden stellt kein Problem mehr da.

Hierbei sollte aber folgendes Beispiel den Widerspruch des oben dargestellten Arguments erwähnt werden: Im WS 99/00 gab es 523 Anfänger(innen) im Studiengang Informatik. Diese sind jetzt im Hauptstudium und sowohl die Basisveranstaltungen als auch die Seminare platzen aus allen Nähten. Völlig unklar ist auch noch, welche(r) wissenschaftliche Mitarbeiter(in) die vielen Diplomarbeiten betreuen soll. Offensichtlich sind entgegen aller Erwartungen genug Anfänger(innen) übrig geblieben, die jetzt ins Hauptstudium stürmen und den Fachbereich vor große Probleme stellen.

Eine andere Möglichkeit der Auswahl von Bewerbern und Bewerberinnen ist das zufällige Auslosen. Manch eine(r) mag sagen, dass das die gerechteste Art der Zulassungsbeschränkung sei, doch wir lehnen diese Möglichkeit vollständig ab, denn bei diesem Verfahren gibt es keine Möglichkeit, seine Chancen auf einen Studienplatz durch eigenes Handeln erhöhen zu können.

In jedem Semester kann erneut festgestellt werden, dass eine hohe Anzahl an Studierenden eine völlig falsche Vorstellung vom Studiengang Informatik besitzen und spätestens um Weihnachten herum wechseln. Hier geht häufig einiges an Zeit verloren (mindestens ein Semester), während diese Studierenden bei entsprechender Beratung einen passenderen Studiengang gewählt hätten.

Eine Alternative, um falsche Vorstellungen vom Informatikstudium zu beseitigen und nicht für diesen Studiengang geeignete Studierenden möglichst frühzeitig herauszufiltern, sind Auswahlgespräche. Hierbei sind zwei Varianten denkbar, nämlich die "harte" und die "weiche": Die harte Variante besteht in einem vorgeschriebenen Gespräch (üblicherweise 20-30 Minuten), dessen Ergebnis darüber entscheidet, ob man sich immatrikulieren darf. Die weiche Variante dagegen besteht in einem Beratungsgespräch, bei dem einem Studienanwärter oder einer Studienanwärterin nur geraten wird, Informatik zu studieren oder nicht. Dieser kann dann aber immer noch frei für sich selbst entscheiden, ob er sich immatrikulieren will oder nicht. Dieses Gespräch darf durchaus auch verpflichtend sein.

Dem harten Auswahlverfahren stehen wir ablehnend gegenüber, denn hier hängt es von einem 20minütigen Gespräch (und möglicherweise nur mit einem Prüfer) ab, ob man zum Studium zugelassen wird oder nicht. Da hätten wir dann das gleiche Problem wie beim NC, d.h. die Tagesform gibt den Ausschlag. Man kann auch nicht bei allen Studierenden von Anfang an sagen, ob er oder sie für das Studium geeignet ist oder nicht, denn es gibt ja auch genug Leute, die das Studium erfolgreich absolvieren, aber vor dem Studium nicht sehr viel mit Informatik zu tun hatten.

Im Gegensatz zu harten Auswahlgesprächen stehen wir der weichen Variante positiv gegenüber - insbesondere auch aufgrund des möchlichen Abschreckungseffektes, da man für seine Immatrikulation etwas tun muss. "Scheinstudierende" werden sich vermutlich etwas Leichteres suchen. Ausserdem muss man sich frühzeitig anmelden, um einen Termin für ein Gespräch zu bekommen. Kurzentschlossene, die irgendeinen Studienplatz haben wollen, werden wahrscheinlich Schwierigkeiten haben, sich fristgemäß anzumelden, da davon auszugehen ist, dass sie sich über die Anmeldungsbedingungen weniger informiert haben als jemand, welcher von Anfang an weiß, dass er oder sie sich für dieses Studium bewerben will. Ebenso kann man Leute mit falschen Vorstellungen davon abraten, dieses Fach zu belegen, was bisher viel zu selten getan wurde und wird.

Beide Gesprächsformen nehmen natürlich viel Zeit der Professoren oder WMs in Anspruch. Aus diesem Grund müsste mittels einer Kosten-/Nutzenanalyse herausgefunden werden, ob sich dieser Aufwand lohnen würde.

Alternativ dazu könnte eine Pflichtberatung eingeführt werden, wo dem angehenden Studierenden erklärt wird, was das Informatikstudium alles erfordert, d.h. wieviel Mathe braucht man, wieviel Vorkenntnisse braucht man etc. Dass man an dieser Beratung teilgenommen hat, müsste man sich bescheinigen lassen und nur unter Vorlage dieses Scheines sollte eine Immatrikulation möglich sein. Diese Beratung kann auch durch Studierende, z.B. die studentischen Studienberater erfolgen, so dass hier die Kostenfrage kein Problem darstellen würde.

Man muss wissen, dass es unter den Immatrikulierten auch Studierende gibt, die sich nur immatrikulieren, um ein Semesterticket, Kindergeld oder ähnliche Vergünstigungen zu bekommen. Eigentlich kosten die Studierenden kein Geld und auch keine Ressourcen, denn sie besuchen die Uni ja gar nicht. Doch gibt es scheinbar Statistiken über Abbrecher und Erfolgsquoten, nach denen Gelder verteilt werden. Und wenn "Scheinstudierende" hier die Situation der anderen, am Fach wirklich interessierten Studierenden massiv verschlechtern, kann man versuchen, zunächst nur "aktive Studierende" zuzulassen - wenn es denn so einfach wäre, aktive Studierende zu ermitteln. Es ist wahrscheinlich unmöglich, im voraus herauszufinden, ob jemand aktiv am Studium teilnehmen wird oder nicht. Man könnte jedoch während des Studiums Kriterien (z.B. in einem festgesetzten Zeitraum eine bestimmte Anzahl von Kursen/Prüfungen absolvieren) festlegen, die zeigen, ob jemand in der Uni gewesen ist oder nicht. Die Erfahrung zeigt jedoch aber auch, dass "Scheinstudierenden" sich kaum bei NC-Studiengängen immatrikulieren, sondern "auf den letzten Drücker" zulassungsfreie Studiengänge bevorzugen. (Wir wissen aber nicht, ob die Zulassungsgrenze an sich oder nur die erzwungene frühere Anmeldung dafür verantwortlich ist.) Es ist daher auch zu prüfen, ob "Scheinstudierende" im Bereich Informatik wirklich ein großes Problem darstellen, d.h. ob sie viele Studienplätze blockieren. Aus diesem Grunde beschäftigen wir uns zur Zeit ebenfalls damit, die entsprechenden Statistiken zusammenzutragen, um diese Argumentation zu prüfen.

Letztlich sind neue Zulassungsverfahren aber nur müßige Spekulation, denn nach dem Berliner Hochschulzulassungsgesetz dürfen nur 20% der Plätze nach einem Auswahlverfahren vergeben werden, d.h. nach einer Auswahl auf Grund des Grades der Qualifikation (sprich Abiturnote), der vorherigen Berufsausbildung oder einem Auswahlgespräch (bzw. einer beliebigen Kombination der drei Verfahren) erfolgen muss. Andere Verfahren sind nicht zulässig.


Studienzeitbegrenzung

Man könnte meinen, dass man die Eignung einfach "am lebenden Objekt" testen könnte, sprich: es werden alle zugelassen und das Studium wird schon diejenigen herausfiltern, die nicht geeignet sind. Jeder hatte seine Chance und hätte sie auch nutzen können.

Dies wird dann so realisiert, dass der Studierende in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl von Prüfungen absolviert haben muss, ansonsten wird man exmatrikuliert. Der Antrag Hommel/Wolisz war ein Musterbeispiel dieser Kategorie und auch im Bachelor ET gibt es so etwas bereits (45 von 60 Leistungspunkten innerhalb von 2 Semestern, wobei eine Semesterwochenstunde überwiegend 1,5 Leistungspunkten entspricht). Auch an vielen anderen Unis und FHs sind solche Regelungen bereits eingeführt.

Solche Studienzeitbegrenzungen scheinen auf den ersten Blick zumindest nicht schlechter als einen NC. Doch ein entscheidender Haken liegt für uns darin, dass die Studierenden bei Nichtbestehen der Zeitbegrenzung zwangsweise exmatrikuliert werden müssen, d.h. sie dürfen in Deutschland nie wieder Informatik studieren. Eine andere Möglichkeit der Exmatrikulation gibt es nicht.

Gründe, warum diese Zeitschranken nicht eingehalten werden konnten, gibt es viele: Ausländer müssen sich erst einmal einleben, ein anderer muss nebenbei arbeiten, wieder andere haben Todesfälle in der Familie zum ungünstigsten Zeitpunkt, nur Pech bei der Wahl der Arbeitsgruppen oder Krach mit dem Freund oder der Freundin. Während Nachweisbares wie Krankheit noch zur Verlängerung der Fristen führen kann, sind obige Fälle ohne Ausnahme nicht mehr "entschuldigt".

Letztlich sollten "normale" Studierende keine Probleme mit diesen Zeitschranken haben, so werden sie ja üblicherweise angelegt. Das Problem liegt allerdings in der Definition von "normal" (ähnlich wie bei "Regelstudienzeit") - den meisten Menschen wird wohl das Bild des Vollzeitstudierenden einfallen und die möglichen Widrigkeiten des Studierendenlebens kommen erst bei genauerem Nachdenken. Menschliches Denken ist doch so angelegt, dass die ganzen kleinen Probleme und Unregelmäßigkeiten zunächst nicht betrachtet werden...

Da aber das Leben nicht in den idealtypischen/stereotypen Bahnen verläuft, macht eine Studienzeitbeschränkung das Studium nicht fachlich schwerer, sondern ist nur eine Auswahl auf Grund der Konformität, Angepasstheit und Stromlinienförmigkeit.

Denn wenn wir befürchten müssen, nach dem 1., 2., 3. oder 4. Semester bei Nichterreichen der Ziele exmatrikuliert zu werden, werden wir viel Zeit auf unser Studium aufwenden - andere, ebenfalls sinnvolle Aktivitäten, die von den Arbeitgebern ebenfalls nachgefragt werden (z.B. soft skills) werden aber auf der Strecke bleiben. Engagement für Vereine, Parteien oder Fachschaftsarbeit würden für uns nicht mehr in Frage kommen, denn wir wollen nicht riskieren, aus dem Studium zu fliegen. Zur Zeit riskieren wir vielleicht, durch eine Prüfung zu fallen und engagieren uns trotzdem, doch die Konsequenzen bei einer Studienzeitbeschränkung sind so viel härter, dass kaum jemand dieses Risiko eingehen würde.

Auch das "jeder bekommt eine Chance" überzeugt uns nicht, da man bei Nichterreichen der Schwelle exmatrikuliert würde, während man bei Ablehnung auf Grund eines NCs es in den nächsten Jahren noch einmal versuchen darf (ev. auch an einer anderen Uni).

Vor allem stellt sich an dieser Stelle die Frage, wie unter solchen Umständen eine Gruppenarbeit aussähe. Studierende, die das Level ihrer Gruppenmitglieder nicht halten können, werden vermutlich brachialst ausgeschlossen. Unter der Bedingung, dass nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht, würde vermutlich jeder unsozialer und egoistischer reagieren. Leute, die nicht die durchschnittliche Gruppenleistung erreichen , können dann schon innerhalb der eigenen Arbeitsgruppe nicht toleriert werden.

Folglich sind pauschale Studienzeitbeschränkungen für uns auf keinen Fall ein gangbarer Weg, da sie dem/der eben nicht idealen Studierenden nicht gerecht wird. In Verbindung mit einem Mentoren-Modell ist es unter Umständen tragbar, wenn diese bei Härtefällen die Anforderungen herabsetzen können und so auch das menschliche Maß berücksichtigt werden kann.

Bei der Diskussion um Studienzeitbeschränkung ist unserer Meinung nach auch zu berücksichtigen, dass man dabei ebenfalls von der Qualität der Lehre sprechen muss. Man kann nicht davon ausgehen, dass viele Studierende lediglich aufgrund von persönlichen oder anderen Gründen das Studium nicht in der Regelzeit schaffen. Das wäre ein zu vereinfachtes Denken. So wie die Lehrsituation an der Uni aussieht, d.h. zu wenig wissenschaftliche Mitarbeiter(innen), veraltete Bibliotheken etc., muss man, wenn man erreichen will, dass Studierende das Studium so zügig wie möglich beenden, auch an dieser Stelle gravierende Änderungen vornehmen.

Alles in allem liegen die Dinge, wie so häufig, eben nicht als Schwarz-Weiss-Bild da. Es darf keinesfalls der Fehler gemacht werden, entweder mit Scheuklappen ob der derzeitigen finanziellen Lage ohne Kompromisse gegen jegliche Zulassungsbeschränkungen zu "wettern". Es muss aber auch versucht werden, nicht den vermeintlich leichtesten Weg zu gehen, sondern eine insbesondere für die Studierenden faire Lösung zu finden. Natürlich sind Zulassungsbeschränkungen niemals eine gute Bildungsgrundlage, doch im Hinblick auf die Praxis und die derzeitige Situation gerade der Fakultät IV scheinen sie unumgänglich.